The Back of the Napkin: Probleme analysieren, visualisieren, verstehen und lösen

Any Problem can be made clearer with a picture…

Dan Roam beschreibt in seinem genialen Buch: „The Back of the Napkin“ wie er herangeht um Probleme zu analysieren, zu verstehen, zu lösen und unterstützend visuell aufzubereiten.

Ein Kernprinzip dabei ist seine 6-W-Methode.
Die von Roam präsentierten 6 Ws scheinen zunächst banal: Man könnte fast sagen, das habe ich doch schon im 1.-Hilfe-Kurs für den Führerschein gelernt, diese W-Fragen.

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Beim Lesen des Buches bekommen diese 6 Fragen jedoch eine bestechende Genialität.


Jedem Problem(chen) sein W(echen)
Zunächst einmal lassen sich laut Roam so gut wie alle Probleme einem dieser 6 Ws zuordnen.
Also: Ist es ein Wann-Problem? Ist es ein Wieviel-Problem? etc.
Allein diese Frage bringt oft schon einmal richtig viel Licht ins Dunkle und hilft bei der Wahl der richtigen Visualisierung und Herangehensweise.

Das W-Koordinatensystem der Visualisierung
Dann hat der Autor einen weiteren Tipp, wie wir im Daten-Dschungel der Wahrnehmung Erkenntnisse generieren und visualisieren können:
Man nehme jeweils ein, zwei oder drei dieser Ws auf die x/y/z-Achse eines Koordinatensystems und zeichne dann die korrespondierenden Erkenntnisse auf die sich ergebenden Flächen.
So ist z.B. die Kurve eines Aktienindexes nichts anderes als das Ergebnis der Achsen x=Wann? und y=Wieviel?

Auch eine eine Straßenkarte erklärt nicht mehr oder weniger als das Was? und Wo?.

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Natürlich verwenden wir alle bereits diese Bilder. Vielleicht hilft aber die Problemstrukturierung über die 6 Ws bei der richtigen Bilderwahl.

Die 6 W´s der Erkenntnis
Anhand verschiedener kleiner Stories legt Roam nahe, dass Menschen sich meist nach einem gleichen Muster Erkenntnisse erarbeiten.
Wen wunderts – nach dem Muster der sechs Ws!

Ein eigenes Beispiel:
Stellen wir uns vor, wir interessieren uns für die Aktie eines Unternehmens. Welche Fragen stellen wir uns, bevor wir kaufen oder nicht kaufen?

1) Wer? und Was?:
Was stellen die her, was machen die? Wer sind die Köpfe?…

2) Wieviel?:
Wieviel Eigenkapitalrendite, Eigenkapitalquote etc. ist vorhanden?…

3) Wo?:
In welchen Ländern ist das Unternehmen aktiv? Wo sind die Standorte?…

4) Wann?:
Wie hat sich das Unternehmen im Laufe der Zeit entwickelt und verhalten?…

5) Wie?:
Wie tickt das Unternehmen? Welche Muster lassen sich erkennen?…
Roam legt nahe, dass das Wie? Erst nach der Beantwortung der vier Fragen zuvor möglich ist.
Also: Was/Wer+Wieviel+Wo+Wann=Wie!

6) Warum?
Warum ist das Unternehmen erfolgreich/nicht erfolgreich? Warum wird es in Zukunft Erfolgreich/nicht erfolgreich sein? Warum würde ich die Aktie kaufen oder nicht?…
Dieses Warum? Ist dann die zusammenfassende Hypothese die sich aus den zuvor gefundenen Antworten speist. Da die Warum-Frage, wird sie zu früh gestellt, oft verkürzte Antworten gibt, empfiehlt der Autor sie ganz bewusst erst am Ende dieser Frage- (Visualisierungs-)Kettte zu beantworten.

Roam kombiniert die hier beschriebenen W-Techniken mit weiteren Tools um noch besser klar sehen zu können und den Dingen auf die Spur zu kommen. Dazu gibt es dann genial einfache – und eben treffende Illustrationsbeispiele, die jedeR mit etwas Übung hinbekommen kann.

Einige dieser Visualisierungsbeispiele bietet Dan Roam auf seiner Webseite, aber auch seinem Blog zum Ansehen und zum Download an.

Fazit:
Ein sehr lesenswertes Fachbuch. Hoher Innovationsgrad, eher niedrige Komplexität, hoher Praxisnutzen.
Meine Empfehlung für alle Menschen die viel mit Entscheidungen und Entscheidungsprozessen zu tun haben.