Management-Moden – alles nur heiße Luft?

Lean, Agilität, Holacracy, Kaizen und Co. – Jedes Unternehmen ist vermutlich schon einmal mit derartigen Begriffen in Berührung gekommen. Vielleicht wurde das ein oder andere Modell auch schon einmal in die Praxis umgesetzt. Management-Moden gibt es bereits seit vielen Jahrzehnten. Trends kommen und gehen. Ob hinter jeder Mode wirklich etwas Neues steckt, weiß der Leadership-Experte Joachim Simon.

Im Moment dreht sich alles nur noch um einen Management-Hype: die Agilität. „In den 60er Jahren nannte man das heutige Prinzip der Agilität noch Inkrementalismus“, so der Fachmann für Führungsfragen. In den 1980er Jahren hieß das Erfolgsrezept eines jeden Unternehmens hingegen: ‚Unternehmenskultur‘. In den 90ern gab es die große Welle der Lean- und Kaizen-Moden. Heute könne man feststellen, dass etwa alle 15 Jahre eine neue Management-Mode auftaucht.

Dabei gäbe es immer den gleichen Zyklus, so Simon. Zunächst experimentieren kleine Player mit der neuen Mode. Dann greifen die Massenmedien die neue Mode auf. Etablierte Unternehmen probieren sich in den neuen Ansätzen, oder tun zumindest nach außen so. Im nächsten Schritt positionieren sich Kritiker und Befürworter. Sie wird ausprobiert und abgetragen, bis sie irgendwann ‚aus der Mode kommt‘ und ‚out‘ ist.

Aktuell sei es die Agilität, die Unternehmen weltweit ordentlich aufmischen soll. Die Idee dahinter: Strenge Hierarchieformen werden abgeschafft, Kooperationen gefördert, Eigenverantwortung gestärkt. Statt strenger Masterpläne geht man lieber Schritt für Schritt vor. Ob dieser Ansatz nun gut oder schlecht ist, könne man nicht pauschal sagen, betont Simon. Dennoch lohne es sich, für neue Moden offen zu bleiben. „Management-Moden eignen sich hervorragend, um dazu zu motivieren, Dinge auszuprobieren und eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Wenn man damit hilfreiche Impulse setzen kann, die das Unternehmen voranbringen, dann ist das doch eine gute Sache“, bekräftigt er weiter.

„Augenmaß ist wichtig“, fügt der Führungskräfteentwickler abschließend hinzu: „Letztlich geht es wie in der Mode darum, zu schauen, was wirklich passt und womit man sich wohlfühlt. Das blinde Verfolgen einer Mode war noch nie cool und ist immer ein Zeichen von pubertärer Unreife oder eigener Unsicherheit. Der reife Erwachsene wählt bewusst, bleibt offen für neue Einflüsse und entwickelt seinen eigenen Style.“